Geschichtlicher Rückblick

Die vermutlich dem Heiligen Laurentius geweihte Kapelle sei, so der Hain-Gründauer Chronist Gustav Schöner, im 12. Jahrhundert erbaut worden. Dies beweise das Fischgrätmauerwerk des Fundaments, das 1857 bei der Tieferlegung zweier Fenster festgestellt worden sei. Es entspreche dem in der Kaiserpfalz Gelnhausen.
Das ursprünglich verwendete Bauholz, das auf sein Alter untersucht werden könnte, ist längst verbrannt. Die Analyse eventuell zur Gründung im sumpfigen Boden verwendeter Eichenpfähle, wie bei der Kaiserpfalz in Gelnhausen (Baubeginn um 1170), könnte eine Datierung ermöglichen. Urkundliche Belege für die Entstehung der Kirche in dieser Zeit und für ihre Entstehung überhaupt existieren nicht.
Eine nicht belegte Gründungsversion hat Bernhard Hundeshagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts in seinem Werk über die Gelnhäuser Kaiserpfalz in die Welt gesetzt: „… stiftete Gisla, letzte Gräfin von Gelnhausen, die Kirche zu Haingründau, ohnweit der Stadt, jenseits im Gebirg.“ Hundeshagen führt keine Quelle für seine Behauptung an. Auch nennt er keine Jahreszahl. Eine Gräfin Gisela aus der Familie der Grafen von Selbold-Gelnhausen erscheint in einer späteren Quelle als Schenkerin der Pfarrei von Gründau auf dem Berg an das Kloster Selbold, das von ihrem vermutlichen Großvater Graf Ditmar und seiner Gattin gegründet wurde. In einer päpstlichen Urkunde aus dem Jahre 1108 wird es erstmals genannt.
Ein möglicher Hinweis auf einen von Gelnhausen aus initiierten Bau könnte in einer Urkunde von 1431 enthalten sein. Kaiser Sigismund wies darin den Diether von Isenburg-Büdingen an, „das Kapellengut zu Haingründau nicht zu beschweren“. Dieses Kapellengut gehörte zur Dotation der Burgkapelle Gelnhausen, d. h. diese hatte Einkünfte aus dem Gut. Das könnte mit dem Bau der Kapelle in Verbindung stehen. Es ist nicht auszuschließen, dass die Kapelle im Zusammenhang mit der Errichtung des Gutes bzw. eines Hofes entstand. Beide Einrichtungen hätten dann vermutlich in räumlicher Nähe zueinander gestanden. In unmittelbarer Nähe zur Kirche liegt eine Flur mit der Bezeichnung „Im alten Hof“. Schöner meinte allerdings, dies sei auf die Lage des ursprünglichen Kirchhofs zurückzuführen. Ausgrabungen hätten dies bewiesen. Nach der Parzellenkarte von 1832 grenzt diese Flur zwar direkt nördlich an die Kirche an, erstreckt sich aber weiter in nordöstlicher Richtung in die Feldgemarkung, was dann eher für einen landwirtschaftlichen Hof spricht.
Die vom Regionalhistoriker Martin Schäfer eingesehenen Kirchenrechnungen von „Sant Lorentzen des Baueß zu Hangrinn“ ab 1481 liefern Daten zu den Pfarrern und zu den Namen der Hain-Gründauer Einwohner sowie zum Kirchenbesitz, zu Ausbau und Ausstattung der Kirche, nicht jedoch zu ihrer möglicherweise schon mehrere Jahrhunderte zurückliegenden Erbauung. In einem 1966 erschienenen Aufsatz vertrat Schäfer die Position, dass das 1258 erwähnte Grinda superior (Obergründau) um die und westlich der „Capelle Sant Laurentius“ am Hausemichsgraben gelegen habe. Er zieht aus der Information, dass die Grundstücke der Kapelle an den Husenbach (heute Hausemichsgraben) angrenzten, den Schluss, dass das wüst gefallene Dorf Husenbach zu diesem Kirchspiel gehörte. Mittelgrind-Buchen habe bis 1618 ebenfalls dazugehört.
Ob aber erst die Kapelle und dann das Dorf gebaut wurden oder umgekehrt, ist nicht zu beantworten. Gustav Schöner ging davon aus, dass beim Bau der Kapelle schon Dörfer, er meint Hain-Gründau, daneben Gettenbach und Husenbach, vorhanden gewesen seien.
Die überlieferten Urkunden belegen, dass Hain-Gründau auch schon vor Einführung der Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts und bis 1581 Filial der Pfarrei Büdingen war, dann zur eigenen Pfarrei erhoben wurde. Gettenbach und Vonhausen wurden Filiale. Seit wann Hain-Gründau zur Pfarrei Büdingen gehörte, ist unbekannt. Die Behauptung von Gustav Simon, dem Verfasser des Standardwerks über des Haus Ysenburg-Büdingen, dass Hain-Gründau ursprünglich in der Bergkirche eingepfarrt gewesen sei, fand Widerspruch bei Friedrich Thudichum in seiner „Rechtsgeschichte der Wetterau“. Dass die Bergkirche einen Teil des Zehnten aus der Hain-Gründauer Gemarkung einzog, sei kein ausreichender Beweis. Nach den Kirchenrechnungen wurden 1563 eine Empore und 1590 zwei neue Fenster zur besseren Belichtung eingebaut, 1614 ein neuer Turmhelm errichtet. 1578 seien zwei Glocken vorhanden gewesen, offen bleibt, ob beide auf dem Kirchturm oder eine auf einem „Glockhaus“. An diesem Haus (des Glöckners und eventuell gleichzeitig Schullehrers?) wurde mehrfach gebaut. Erwähnt wird auch das Kirchengut. Es wurde in Erbleihe von der Familie Lantz bewirtschaftet. Die Flurnamen „Auf der Lanzenwiese“ und „Im Lanzengarten“ verweisen auf den Standort östlich der Kirche.
Für den Zeitraum 1581 bis zum 30jährigen-Krieg sind die Pfarrer der Hain-Gründauer Kirche namentlich bekannt. 1601 wurde bei Einführung des reformierten Bekenntnisses der letzte lutheranische Pfarrer abgesetzt. Der letzte Pfarrer des alten Hain-Gründau überhaupt starb 1635 auf der Flucht nach Büdingen. Von da an war die Pfarrstelle nicht mehr besetzt.
Schon 1630 war Hain-Gründau Filiale vom Haag geworden. Hain-Gründau wurde dann von Büdingen aus versehen, mit Ausnahme der Jahre von 1639 bis 1642. In diesem Zeitraum war ein lutheranischer Pfarrer aus Meerholz zuständig, bedingt durch die vom Kaiser verordnete Verwaltung der Grafschaft durch die Landgrafen von Hessen-Darmstadt.
Die Taufen der Hain- und Mittel-Gründauer Kinder sind für den Zeitraum 1640 - 1650 in den Büdinger Kirchenbüchern eingetragen. 1657 - 1715 erfolgten die Hain-Gründau betreffenden Eintragungen in den Kirchenbüchern von Vonhausen.Vermutlich 1634/35 wurde die Kirche zerstört. Es blieben wohl nur noch Mauern stehen.
Mit seiner Kirche ging das gesamte alte Dorf unter.
Im Jahr 1715 wurde in Hain-Gründau erneut eine Pfarrei errichtet. Die Kirche wurde an der ursprünglichen Stelle auf den alten Mauern wieder hergestellt. Charakteristisch für das Innere wurden die beiden von Säulen getragenen Emporen aufgebaut. Das Gotteshaus stand nun recht weit entfernt vom neuen Dorf, das weiter östlich entlang der heutigen Hainstraße und Pfarrgasse gebaut wurde.

Eine der neuen Glocken wurde 1763 von Bach in Windecken gegossen, die zweite 1798 von Schneidewind in Frankfurt. Die Orgel wurde 1852 erworben. Der älteste der vier Bäume vor der Kirche, die noch in den 1960er-Jahren existierende Linde, war 1722 gepflanzt worden. Über die drei Jahrhunderte ihrer neuen Existenz waren immer wieder Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten an der Kirche erforderlich. Als vorerst letzte große Maßnahme wurde 1998 das Gebälk des die Glocken tragenden Dachreiters vollständig ausgetauscht, der Helm neu verschindelt. 1977 schloss sich die bis dahin selbstständige Kirchengemeinde Hain-Gründau der Kirchengemeinde "Auf dem Berg" an und wechselte von der Landeskirche Hessen-Nassau in die von Kurhessen-Waldeck.

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