Vorlesen

Passionsandacht online

Audio-Passionsandacht

Passionsandacht vom 25.03.2020

Innehalten.
Im Namen Gottes,
im Namen Jesu Christi
im Namen des Heiligen Geistes
suchen wir Stärkung.
Amen.

Wir sind mittendrin in der Passionszeit. Aber 2020 fühlt sich das anders an: greifbarer, realer. Statt freiwilligem Verzicht auf Schokolade, Smartphone, oder… sind wir jetzt in einer Situation, in der wir alle verzichten. Auf ganz viel, aber besonders auf Kontakte. Zumindest körperlich. Ich persönlich bin gerade mit mehr Schokolade und mehr Zeit am Smartphone beschäftigt. Vermutlich geht es vielen so und das darf gerade jetzt auch so sein. SO bewusst habe ich diese Zeit im Jahr noch nie erlebt. Ja, die Stimmung ist gedrückt, die Situation lastet schwer auf uns. Normale Abläufe sind durchbrochen und Angst schwingt mit- in verschiedensten Facetten.

Passionszeit bedeutet aber auch, dass wir auf Ostern zusteuern. Gott setzt mit Jesu Passion und Auferstehung ein Zeichen: Ich gehe auch im Leiden mit Euch, auch in der Dunkelheit bin ich da und ich werde das alles durchbrechen. Das Leben wird siegen. Das behalten wir im Kopf, wenn wir nun einen Blick auf eine ausgewählte Szene der Passionsgeschichte werfen. Hierzu betrachten wir ein Gemälde des dänischen Malers Carl Bloch (1834-1890: Die Verleugnung Jesu durch Petrus. Ich lese die dazu passende Bibelstelle aus dem Lukasevangelium im 22. Kapitel

Voraus geht die Gefangennahme Jesu. Sie führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. 55 Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich mitten unter sie. 56 Da sah ihn eine Magd im Licht sitzen und sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. 57 Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. 58 Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht. 59 Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde, bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig, dieser war auch mit ihm; denn er ist auch ein Galiläer. 60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst. Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn. 61 Und der Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. 62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

Die Passionsgeschichte ist voll von mächtigen Bildern und mit Personen, die Schwächen haben. Unsere eigene Fehlerhaftigkeit wird uns in den Schwächen dieser Personen knallhart vor Augen geführt: Ja, so geht es uns in unserem Leben auch. Manchmal sind wir wie Judas und hängen einen Freund hin oder wie die Jünger, die wachen sollen aber einschlafen oder eben wie Petrus. Von seinem „Versagen“ haben wir gerade gehört. Das Bild von Bloch bringt es zudem in beeindruckender Weise zum Ausdruck: Da ist er, Petrus, der sich so viel vorgenommen, der so viel versprochen hat. Da steht er nun bei den Menschen im Hof, die ihn anschauen, die ihn als Anhänger Jesu erkennen. Da stehen Hahn und Hühner- selbst sie schauen ihn an. Und besonders heftig: Jesus, der gerade vorbeigeführt wird, sieht ihn an. Alle Augen sind auf Petrus. Und der kann vor eigener Scham nur wegsehen, er kann den Blicken nicht standhalten. Das geht unter die Haut. Und doch erinnert es an persönliche Begebenheiten:

Wie oft nehmen wir uns zu viel vor, versprechen da zu sein, versprechen zu reagieren, nicht tatenlos zuzusehen wenn Schlimmes passiert: wenn jemand ausgelacht, ausgegrenzt oder gar angegriffen wird. Wie oft sagen wir: „Ich bin erreichbar und für Dich da.“ und kriegen das im Alltagstrubel doch nicht wirklich gut hin. Wie oft regen wir uns auf, weil jemand Unrecht tut und trotzdem sagen wir nichts dagegen. Dabei ist unser Wille sicher ernst gemeint- aber naja, am Ende finden wir doch schnell eine Ausrede, eine gute Begründung warum wir nicht handeln können. Warum wir lieber unauffällig bleiben: Angst vor Nachteilen? Angst vor Gegenwind? Ein bisschen Egoismus? Wir versagen- aus welchen Beweggründen auch immer.

Für mich ist die Botschaft dieser Szene gerade jetzt: Möge Petrus uns daran erinnern, nicht zu versagen. Nicht in diese Falle zu treten. Wir sollten Acht geben, dass wir es eben nicht angehen wie Petrus: den Mund voll nehmen, gute Sprüche und Zusagen auf den Lippen haben und dann aber keine Zeichen setzen. Jetzt sollten wir alle ein Versprechen geben - gegenüber uns allen: #stay@home oder #zuhausebleiben. Soweit uns das möglich ist.

Gleichzeitig gilt es jetzt auch da zu sein. Zeichen von Liebe und Solidarität in die Welt zu setzen: durch Einkaufsservice, durch maßvolles Einkaufen, durch Verzicht auf voreilige Onlinebestellungen, durch eine Überprüfung, was ich vielleicht doch regional bekommen kann, dank Abhol- und Lieferservice und natürlich dadurch, dass wir alle gegenseitig auf uns aufpassen- mit allen Ängsten und Nöten, uns zuhören, uns gegenseitig auch mal zum Lachen bringen. Die Passionsgeschichte zeigt uns, an welchen Stellen wir scheitern können und es oft im Leben tun. Nehmen wir das doch gerade jetzt als Erinnerung daran, bewusst anders zu handeln. Stark zu bleiben. Uns so zu verhalten, dass wir am Ende nicht dastehen und über unsere eigene Schwäche nur noch weinen können wie Petrus.

Petrus hat einen „Rückzieher“ gemacht. Und: Er wird sich hier nicht nur seines eigenen Versagens bewusst, sondern er wird auch noch erkannt. Wenn andere das Versagen sehen oder gar der, den wir im Stich lassen das mitbekommt, uns ansieht und scheinbar bis ins Herz blickt, dann ist das schwer zu ertragen.

Wir können uns vorstellen, wie Petrus sich fühlt. Eigentlich ist das hier doch das Ende der Beziehung zwischen zwei Menschen. Vielleicht kennen wir es aus unserem Leben: „Wenn mich jemand so im Stich lässt, will ich mit dem doch nix mehr zu tun haben.“ Aber bei Jesu ist das anders: Er wendet sich Petrus noch einmal zu, blickt ihn an. Jesus war schon im Vorfeld klar, dass seine Jünger und insbesondere Petrus versagen werden. Jesus wusste, dass sie alle der Situation nicht standhalten. Ihm war bewusst wie unperfekt sie sind. Er weiß auch wie unperfekt wir sind. Und auch das dürfen wir aus dieser Geschichte mitnehmen, gerade jetzt: Wenn uns doch der Mut verlässt, wenn alles schief geht, wenn wir es nicht ganz schaffen und an der einen oder anderen Stelle versagen- meine Güte: Es ist okay. Wir dürfen das. Wir dürfen schwach sein und wir dürfen (ver)zweifeln. Ein Trost, den wir mitnehmen dürfen- gerade jetzt auf dem Weg zu Ostern: Jesus wendet sich uns zu. Er schaut nicht weg, sondern macht mit uns einen neuen Anfang- in all unserer Fehlerhaftigkeit. Wir kennen das Ende der Passionsgeschichte. Wir steuern auf Ostern zu. Es wird gut ausgehen. Diese Hoffnung möge uns tragen durch die Wochen, die vor uns liegen. Irgendwie wird alles wieder werden. Hier ist nicht das Ende. Es gibt einen Neuanfang.



Wir beten:

Guter Gott,
wir sind unsicher.
Wir sehen Bilder, hören Nachrichten,
die uns Angst machen,
die uns traurig machen und
ein Gefühl von Ohnmacht auslösen.
Lass uns Deine Nähe spüren.
Hilf uns, stark zu sein und Mut zu schöpfen.
Kreativ zu sein und ganz neue Wege zueinander zu finden.
Gib Du uns Kraft und Vernunft,
jedem von uns und uns als Gesellschaft
diese Zeit durchzustehen und zu erkennen,
wo wir helfen können.
Wir bringen vor Dich, was uns gerade bewegt:

In Jesu Namen beten wir weiter

Vater Unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.


Lektorin Lena Schubert,
Evangelische Kirchengemeinde Auf dem Berg



Bildangabe: https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Bloch
Musik: Bless me von FRAMETRAXX

Wir nutzen Cookies auf unserer Website um diese laufend für Sie zu verbessern. Mehr erfahren